Wege vom Wissen zum Verstehen

 In der Idealvorstellung sollen Universitäten ein gesellschaftlicher Ort sein, an dem die macht- und interessenfreie Suche nach Wahrheit am besten gelingen soll. Professoren sollen ein Wissen vermitteln, dessen Geltung wissenschaftlich überprüft wurde. Es geht um ein Wissen, das nicht aus der Anpassung an Trends oder Nutzenkalküle erwächst, sondern allein im Streit um die Wahrheit errungen wird (wissenschaftliche Streitfragen sind keine Geschmacksache). Und was können wir heutzutage nicht alles wissen, wenn wir nur wollen (Wissen ist Macht).

 

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Aber wollen wir überhaupt alles wissen, was wir wissen können. Manche Experten beobachten eine Tendenz zum Halbwissen, die Auswendiglernen mit Wissenschaftlichkeit verwechselt. Es geht um Entschleunigung und Flexibilität der Bildung. Nur so können Wege vom Wissen zum Verstehen beschritten werden. Die Kompetenz des Verstehens wird umso wichtiger, da es um die Beherrschbarkeit exponentiell vermehrter Informationsmenge geht. Die sich immer höher auftürmenden Informationsfluten müssen auch gedanklich verarbeitet, d.h. verstanden werden. Verstehen ist die Voraussetzung für vernünftige Orientierung. Durch die unaufhaltsame Vermehrung verfügbaren Wissens und immer komplexere Kombinationen riesiger Datenmengen wird Verstehen nicht erleichtert, sondern eher erschwert. Die maximierte Ansammlung von Daten ist kein Maß für das richtige „Wissen-Müssen“ und es ist Vorsicht geboten, damit die Zunahme an Informationsmenge statt mehr Wissen nicht auch Nichtwissen hervorbringt.

 

Ein modernes Paradox: Informationswachstum kann Wissensarmut erzeugen. Nicht jede Information wird zu Wissen. Dafür braucht es Selektion und Interpretation.

 

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Denkstudio für strategisches Wissensmanagement zur Analyse mittelstandsorientierter Businessoptionen auf der Basis von Personalbilanzen und Standortbilanzen, Jörg Becker, Friedrichsdorf

J. Becker Denkstudio