Eine wichtige Ursache für die Verdichtung von Zeit liegt nicht zuletzt darin, dass viele Tätigkeiten gleichzeitig immer komplexer geworden sind (Aktendeckel kann man schließen, Strategiefragen nicht). Tätigkeiten sind zwar interessanter, benötigen aber ein Mehr an Zeit. Geschäftsmodelle scheinen längst nicht mehr so stabil und langfristig wie einst angelegt zu sein, sondern müssen sich in immer kürzeren Zeitintervallen geradezu neu erfinden. Das mag zwar spannend sein, erzeugt aber erheblichen Veränderungsdruck.
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Aber: nur wer Arbeit hat, kann sich wünschen, weniger zu arbeiten. D.h. der Wunsch nach mehr Zeit ist gleichzeitig auch ein Zeichen von Wohlstand (Freizeit muss man sich leisten können). Eine Art von ewigem Gedächtnis: das Internet und seine „perfekten“ Algorithmen an den Grenzen des „Unperfekten“. Durch das Internet scheint nichts ist mehr wie es war: Daten werden enteignet und ausgebeutet. Alles bewegt sich. Alles verändert sich. Ganze Geschäftsmodelle hängen am Tropf von anonymen Algorithmen: werden diese geheimnisvoll verschleiert wann und wie auch immer verändert, ändern sich Traffic-Zahlen und Erfolgsfaktoren der Online-Welt. Von Suchmaschinen erzeugte Abhängigkeiten steigen exponentiell. Ob man die Beschleunigung der digitalen Welt nun als Genuss oder doch eher als atemlosen Stress empfindet hängt davon ab, an welcher Markierung des Zeitstrahls die eigene Lebenslinie beginnt. Alles virtuell und in Echtzeit, darauf kommt es an. Das Internet verändert die Art zu denken, die Technik der Informationserzeugung und Informationsverteilung, den Transfer von Wissen insgesamt: Smartphone und Computer werden zum letztinstanzlichen Zugang zur „Realität“.
Ein modernes Paradox: Informationswachstum kann Wissensarmut erzeugen. Nicht jede Information wird zu Wissen. Dafür braucht es Selektion und Interpretation