Der Wunsch nach Kreativität ist auch ein Wunsch, nicht konform, eher unangepasst zu sein

Ein Mensch ist selbst nach dem Vergessen von etwas Erlerntem ein anderer als zuvor, jedes Wissen hinterlässt immer eine neuronale Spur, denn das Gedächtnis ist ein aktives System, das durch Wiederholung und Systematisierung trainiert werden muss und ohne dies verkümmert. 

 

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Ob und wie sind Studenten ohne nachzufragen bereit, sich den Luxus alter Zeiten zu gönnen, sich Zeit zu nehmen für die wichtigen Fragen des Lebens: welches Gewicht sie zwischen Schulabschluss und Berufseinstieg der Frage zur späteren Verwertbarkeit von Studieninhalten beimessen. Wie wichtig für sie die Erweiterung des eigenen Horizonts ist. Die Angst, ins Hintertreffen geraten zu können, befördert das Sammeln von Leistungsnachweisen. Auch (oder gerade) in einer globalisierten Arbeitswelt sind hoch bezahlte und dazu attraktive Stellen rar.

 

Statusängste erzeugen Druck, den eigenen Wert unter ständiger Beobachtung demonstrieren zu müssen (zu wollen). Charakterbildung und soziale Kompetenzen aber gehen weit über die Leistungsmessungen der Universitäten hinaus. Wer sich nur auf das konzentriert, was sich exakt messen lässt, verpasst möglicherweise das Beste, was ein Universitätsstudium bieten kann, u.a. Selbsterkenntnis und Selbstfindung, Wahlmöglichkeiten zahlreicher Themenfelder, Engagement jenseits von Stundenplänen, typisches Campusleben etc. Der Wunsch nach Kreativität ist auch ein Wunsch, nicht konform, eher unangepasst zu sein. Zu dem individuellen Wunsch kreativ zu sein gesellt sich die umfassende Kreativitätserwartung der Gesellschaft als ganze Volkswirtschaft, der Druck im Büro oder allgemein bei der Arbeit immer kreativ sein zu müssen. Kreativität quasi als Leistungszwang. Vorrangig geht es bei der Kreativität zuerst einmal um die Neukombination von Wissen und Informationen. Kreativität ist damit auch Können, Fleiß und Energie, hat viel mit Spannung und Anstrengung zu tun.

 

Ein modernes Paradox: Informationswachstum kann Wissensarmut erzeugen. Nicht jede Information wird zu Wissen. Dafür braucht es Selektion und Interpretation 

 

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Denkstudio für strategisches Wissensmanagement zur Analyse mittelstandsorientierter Businessoptionen auf der Basis von Personalbilanzen und Standortbilanzen, Jörg Becker, Friedrichsdorf

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