Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist rohstoffarm und auf wissenschaftlichen Nachwuchs (Fortschritt) angewiesen. Die Digitalisierung erzwingt einen Wandel, das Internet wirbelt ganze Geschäftsmodelle durcheinander und verhilft neuen Pionieren zum Durchbruch. Eine neue Generation von Gründern geht andere Wege als ihre Vorgänger aus der Ära der Maschinenbauer, Ingenieure oder Ladenbesitzer. Früher stand am Anfang von Unternehmen meist eine Erfindung, ein mühsam entwickeltes Produkt. In der Old Economy vergrub sich ein werdender Unternehmer mit einem Traum oder einer Idee in einer Werkstatt oder in einem Labor, bis er nach langen Zeiten des Experimentierens dann endlich mit einem Produkt an die Öffentlichkeit trat. Um daraus ein Geschäft zu entwickeln, begann dann die Suche nach einem Geldgeber. Heute dagegen starten manche Gründer quasi in Serie einen Online-Marktplatz nach dem anderen. Scheitert ein Projekt, wird schon das nächste hervorgezaubert, der Vorrat an Ideen scheint groß.
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Gründen im KI-Gespräch
Skizzen einer Innovationsgesellschaft.
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Ein Bürokratieindex BKI zeigt die Entwicklung der Bürokratiekosten, die für Unternehmen in Deutschland anfallen. Bürokratiekosten = Belastungen, wenn Unternehmen aufgrund rechtlicher Regelungen Daten oder sonstige Informationen beschaffen, übermitteln oder verfügbar halten müssen (staatlich veranlasste Anträge, Meldungen, Dokumentations- und Berichtspflichten). Das Maß für Bürokratie und Bemessungsgrundlage ist der Erfüllungsaufwand: umfasst den Zeitaufwand und die Kosten, die den Bürgerinnen und Bürgern, der Wirtschaft und der Verwaltung durch die Befolg einer gesetzlichen Vorgabe entstehen. Dies können Informationspflichten, konkrete Handlungsanweisungen, die Erfüllung von Auflagen oder die Einhaltung von Grenzwerten sein.
Der Bürokratieindex BKI – Deutschlands heimlicher Wachstumsmotor
Es war einmal ein Land, das seine Dichter und Denker hervorgebracht hatte. Doch im Laufe der Zeit erkannte man, dass wahre Größe nicht in Gedichten, Erfindungen oder Unternehmen lag, sondern in Formularen.
Um diesen Schatz zu bewahren, wurde der Bürokratieindex BKI geschaffen. Der BKI misst nicht etwa die Zahl der produzierten Autos, Patente oder Arbeitsplätze. Nein, er misst etwas viel Wertvolleres: die Kosten, die Unternehmen aufbringen müssen, um dem Staat mitzuteilen, dass sie noch existieren.
Die Kunst des Erfüllungsaufwands
Früher glaubte man, Unternehmen seien dazu da, Produkte herzustellen oder Dienstleistungen anzubieten. Ein gefährlicher Irrtum.
Heute weiß man: Die eigentliche Aufgabe eines Unternehmens besteht darin, Formulare auszufüllen, Nachweise zu erbringen, Dokumentationen anzulegen, Berichte zu verfassen und anschließend zu dokumentieren, dass die Dokumentation dokumentiert wurde.
Dieser Aufwand wird liebevoll „Erfüllungsaufwand“ genannt. Der Begriff klingt wie eine Mischung aus spiritueller Selbstverwirklichung und Behördendeutsch.
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Ein Bäcker benötigt beispielsweise drei Stunden, um Brötchen zu backen. Für die Dokumentation der Herkunft des Mehls, der Temperatur des Ofens, der Energieeffizienz des Backvorgangs, der Datenschutzbestimmungen für Kundenkarten und des Nachhaltigkeitskonzepts der Brötchen benötigt er dagegen sieben Stunden. Die Brötchen sind daher längst ein Nebenprodukt der Dokumentation.
Der Aufstieg des BKI
Jedes Jahr verfolgen Politiker gespannt die Entwicklung des Bürokratieindex. Steigt der BKI, bedeutet dies, dass Unternehmen mehr Zeit und Geld für Anträge, Meldungen und Berichte aufwenden dürfen. Das wird als Erfolg gewertet, denn die Wirtschaft zeigt damit ihre hohe Anpassungsfähigkeit.
Sinkt der BKI, entsteht sofort Alarmstimmung.
„Wir müssen handeln!“, heißt es dann in den Ministerien.
Eine Expertenkommission wird gegründet, die untersucht, warum die Unternehmen zu wenig Aufwand betreiben. Nach zweijähriger Beratung entsteht ein 600-seitiger Abschlussbericht mit 143 Handlungsempfehlungen und 27 neuen Nachweispflichten.
Der BKI steigt wieder. Deutschland atmet auf.
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Bildung Wissen – Inspiration der Geldanlage im KI-Gespräch
SMART-Ziele sollen spezifisch, messbar, erreichbar, relevant und zeitgebunden sein
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Die neue Volkswirtschaft
Inzwischen hat sich eine ganze Branche entwickelt. Es gibt Forularberater, Nachweismanager, Meldepflichtkoordinatoren, Zertifizierungsbeauftragte, Dokumentationssachverständige und Erfüllungsaufwandsexperten. Manche Unternehmen beschäftigen mehr Mitarbeiter für Berichte als für ihre eigentlichen Produkte.
Ein Maschinenbauer in Hessen produziert nur noch eine Maschine pro Jahr. Dafür erstellt er zwölf Nachhaltigkeitsberichte, vier Risikoanalysen, sieben Datensicherheitskonzepte und eine 200-seitige Erklärung darüber, warum er die anderen Berichte rechtzeitig abgegeben hat. Der Gewinn ist gering, aber der Erfüllungsaufwand vorbildlich.
Die Vision 2040
Die Bundesregierung verfolgt ehrgeizige Ziele.
Bis 2040 soll der BKI so weit gesteigert werden, dass jedes Unternehmen einen eigenen „Chief Reporting Officer“ benötigt.
Kleine Handwerksbetriebe erhalten die Möglichkeit, einen zweiten Meisterbrief zu erwerben – im Ausfüllen von Formularen.
Für Existenzgründer wird ein neues Förderprogramm aufgelegt:
„Gründen leicht gemacht – Antragstellung in nur 48 Schritten.“
Der Antrag umfasst lediglich 127 Seiten.
Das große Missverständnis: Manche Kritiker behaupten, Bürokratie verursache Kosten. Das ist natürlich falsch. Die Kosten entstehen nicht durch die Bürokratie. Die Kosten entstehen dadurch, dass Unternehmen die Bürokratie noch nicht ausreichend wertschätzen. Denn jeder zusätzliche Bericht schafft Klarheit. Jede zusätzliche Meldung schafft Transparenz. Jeder zusätzliche Nachweis schafft Vertrauen. Und jede zusätzliche Dokumentation beweist, dass die vorherige Dokumentation korrekt dokumentiert wurde.
Schlussfolgerung dieser Satire: Der Bürokratieindex BKI ist deshalb weit mehr als eine Kennzahl. Er ist ein Symbol deutscher Kultur. Andere Länder messen Produktivität, Innovation oder Wohlstand. Deutschland misst den Erfüllungsaufwand. Und während anderswo Unternehmer Produkte entwickeln, entwickeln deutsche Unternehmer Formulare. Man kann schließlich nicht alles gleichzeitig machen.