Himmel und Hölle als Ursuppe des Lebens

 

Jutta war am Ende ihres ersten Ehejahres unglücklich und sie fingen an, sich immer häufiger zu streiten. Sie wollte nicht mehr nur zuhause sitzen und nur auf Sven warten, wenn dieser spätabends müde aus dem Büro oder von seinen immer häufigeren Außeneinsätzen heimkehrte. Und da sie fand, sie könne genauso egozentrisch sein, bewarb sie sich um eine Stelle als Redaktionsassistentin bei einer großen Tageszeitung. Trotz aller Unkenrufe ihrer Freundin bekam sie die Stelle und konnte sie sofort antreten. Sven hielt das für eine sehr gute Idee. Es befreite ihn von vielen seiner Schuldgefühle.

 

Viele stellen sich die Frage, ob es vielleicht ein so seltener Zufall (der sich im gesamten Universum nur einmal abgespielt hat) gewesen sei, der zur Entstehung des Lebens geführt habe (dann wären wir allein). Oder „war es in einer ähnlich zusammengesetzten Ursuppe auf einem ähnlich beschaffenen Himmelskörper tatsächlich unvermeidlich, dass sich aus Materie Leben formt?“. Manche Forscher glauben, „dass es ein Programm gegeben haben muss, nach dem der Mensch bereits im Urknall angelegt gewesen sei. Die physikalischen Bedingungen hätten für Konvergenz gesorgt, also dafür, dass alles so kam, wie es kommen musste. Flügel mussten entstehen, weil es Luft gab, Flossen waren nötig, weil es Wasser gab“. Aber eine Tatsache ist auch: „dass die überwältigende Mehrheit aller jemals entstandenen Arten im Laufe der Erdgeschichte auf der Strecke geblieben ist. So kann niemand wissen, wie viel Zeit dem Homo sapiens noch bleibt. Die durchschnittliche Überlebensdauer einer Säugetierart hat in der Vergangenheit bei einer Million Jahren gelegen. Danach hätte der Mensch seine beste Zeit noch vor sich (Wissenschaftler datieren das Erscheinen des modernen Menschen auf eine gewisse Zeitspanne vor rund zweihunderttausend Jahren). Aber er ist kein passiver Teilnehmer der Geschichte, der die Dinge hinnimmt, wie sie sind. Dank seiner ausgeprägten Erfindungsgabe greift er überall sein, und das nicht immer zu seinen Gunsten“.

 

„Mehr als eine Million Jahre lang haben Urmenschen bloß einen Faustkeil nach dem anderen produziert…..erst durch die Landwirtschaft, die vor rund zehntausend Jahren mit dem Sesshaftwerden einherging, emanzipiert sich der Mensch von der Natur. Plötzlich gibt es mehr Nahrung, als er auf der Stelle verzehren kann“. Es konnten Berufe wie der des Töpfers oder der des Schmieds entstehen. Aber Tatsache ist auch: “die alkoholische Gärung haben nicht Menschen, sondern Zuckerhefen erfunden. Das Echolot wurde längst von Fledermäusen und Delphinen benutzt…..Quallen und Tintenfische haben den Raketenantrieb hervorgebracht. Libellen beherrschen den Helikopterflug. Aber für diese Erfindungen hat die Natur Jahrmillionen gebraucht. Der Mensch ist erst relativ kurz dabei, stellte aber mit der Erfindung u.a. der Dampfmaschine (industrielles Zeitalter) bald alle anderen in den Schatten.

 

„Der menschliche Geist ist eine zweischneidige Waffe. Er hat gleichzeitig den Himmel und die Hölle auf Erden geschaffen.“ Vom mit Röhren betriebenen Computergerät ENIAC, das nicht weniger als 27 Tonnen wog, hat es bis zum Smartphone („das rund tausendmal schneller arbeitet und zwei Millionen Mal mehr Speicherplatz besitzt als der Computer, der die amerikanische Apollo-Rakete samt deren Besatzung zum Mond und wieder zurück begleitet hat) gerade einmal siebzig Jahre gedauert. Roboter erledigen anstelle von Menschen immer mehr Aufgaben. Ob künstliche Intelligenz dem Menschen einst über den Kopf wächst, muss sich noch zeigen. „Eine dem Menschen weit überlegene Denkmaschine würde sich daranmachen, den Urgrund allen Seins zu ergründen und das Universum mit Bewusstsein zu fluten“. Jedenfalls sind im Zeitalter des Internet als globales Kommunikationsmittel Informationen zum (wichtigsten) Rohstoff geworden (Signale, die man erst aus dem Rauschen der Umgebung herausfiltern muss).

Standortanalyse - ein ständiges Fließen von Wandel und Prüfen von Umgestaltung - Ganzheitliches contra selektives Denken (Kindle Edition, J. Becker, Friedrichsdorf))